Als (angehender) Coach in Berlin werde ich oft gefragt, was Coaching eigentlich ist. Und wenn ich es kurz auf den Punkt bringen müsste, dann würde ich es beschreiben als: Hilfe zur Selbsthilfe.

Einer der wichtigsten Wegbereiter des modernen Coachings war der Tennislehrer Timothy Gallwey. Er stellte in den frühen 70er Jahren fest, dass die besten Spieler dann am stärksten sind, wenn sie nicht an sich zweifeln. Sobald Ängste, Selbstkritik und übermäßiges Nachdenken einsetzen, verlieren sie ihre Souveränität und am Ende das Spiel. Deshalb sind heute Sportpsychologen mindestens so wichtig wie die Trainer selbst. Gallwey brachte seine Beobachtungen auf die Formel: Performance = Potential – Störung.

Was heißt das für das Coaching?

Im Coaching gehen wir davon aus, dass Menschen alle Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Lösen ihrer Probleme besitzen oder besitzen können — so wie der Tennispieler oder die Tennisspielerin. Die Aufgabe des Coaches ist es, dabei zu unterstützen, dass innere und äußere Störungen bewältigt werden können, sodass wir uns besser auf das konzentrieren können, was wir wirklich wollen.

Systemisches Denken

Wir leben in einer komplexen Welt mit vielen verschiedenen Bereichen: die Arbeitswelt, das Private, Partnerschaften, Beziehungen mit den Kindern, Eltern, Freundschaften. Und nicht zuletzt wir selbst. Jeder von uns ist ein Bündel verschiedener Wünsche und Bedürfnisse — auch wir selbst sind hochkomplex. Diesen Blick auf den Menschen und seine Umwelt macht das systemische Coaching aus. Wir nehmen nicht nur eine Sache in den Blick, systemische Coaches sehen das Beziehungsgeflecht. Jede Veränderung hat einen Einfluss auf die Umwelt. Deshalb ist es so wichtig, auch in Veränderungsprozessen das eigene Umfeld mit im Blick zu behalten.

Wie arbeite ich im Coaching?

Zuallererst arbeiten wir ziel- und lösungsorientiert — das ist ganz wichtig. Es kommt darauf an, Dinge zu verändern, und wir überprüfen fortwährend, wie wir dabei vorankommen. Wir erarbeiten gemeinsam deine Ziele und ich unterstütze dich durch systemische Methoden dabei, dein Ziel zu erreichen. Das können Themen aus dem beruflichen Umfeld sein: konfliktreiche Arbeitsbeziehungen — es können aber auch Konflikte im Privaten sein.

Mit welchen Themen komme ich in ein Coaching?

Im Coaching gehen wir systematisch vor. Wir schauen uns deine Themen an. Der Psychologe Robert Dilts hat dafür ein hilfreiches Modell entwickelt. Er beschreibt verschiedene Ebenen, auf denen wir als Menschen agieren und auf denen Probleme entstehen können. Stell dir eine Pyramide vor:

Ganz unten, an der Basis, befindet sich deine UMGEBUNG: Wo lebst und arbeitest du? Mit wem? Manchmal passen die äußeren Bedingungen einfach nicht mehr — der Job, das Team, der Ort.

Eine Ebene höher liegt dein VERHALTEN: Was tust du? Welche Muster wiederholen sich — auch wenn du es eigentlich anders möchtest?

Darüber befinden sich deine FÄHIGKEITEN: Was kannst du? Fühlst du dich einer Situation gewachsen — oder hast du das Gefühl, dass dir etwas fehlt, um den nächsten Schritt zu gehen?

Noch eine Ebene höher sitzen deine WERTE und ÜBERZEUGUNGEN: Wofür stehst du? Was ist dir wirklich wichtig? Wenn das, was du täglich tust, nicht mehr mit dem übereinstimmt, was du im Inneren für richtig hältst — dann ist das oft der tiefste und zehrendste Konflikt.

An vorletzter Stelle steht die IDENTITÄT: Wer bist du? Diese Frage stellt sich oft in großen Übergängen — nach einer Kündigung, einer Trennung, wenn Kinder ausziehen oder ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Und ganz oben, an der Spitze der Pyramide, steht die Frage nach SINN und ZUGEHÖRIGKEIT: Wofür bin ich da? Was gibt meinem Leben Bedeutung? Zu wem gehöre ich? Diese Frage stellt sich oft dann, wenn äußerlich alles stimmt — und trotzdem etwas fehlt

Je höher die Ebene, desto tiefer sitzt das Thema und desto mehr Energie kostet es, wenn dort etwas nicht stimmt.

Der Methodenkasten

Der Methodenkasten ist groß und er wird immer größer. Die Psychologie und die Entwicklung im Coaching haben einen bunten Strauß an Methoden hervorgebracht. Kurz erwähnt seien an dieser Stelle die Transaktionsanalyse (Eric Berne), NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren, Bandler & Grinder) und die Gestalttherapie (Fritz Perls).

Alle diese Methoden teilen einen Grundgedanken: Der Mensch ist in der Lage, seine Entwicklung positiv zu beeinflussen. Doch vor jeder Veränderung liegt die Erkenntnis — nur was ich wahrnehme, kann ich verändern: „Energy flows where attention goes.“ Menschen von der Erkenntnis bis zur Veränderung zu begleiten, darin sehe ich meine Aufgabe als Coach.

Qualität im Coaching

Coaching ist kein geschützter Begriff, aber es gibt Qualitätskriterien. Verbände sind auch aus Eigeninteresse darum bemüht, Qualität zu sichern. Ich habe eine anderthalbjährige Ausbildung in Präsenz durchlaufen — mehr als 400 Stunden. Dazu kam die Coaching-Praxis. Und nicht darin enthalten — die Stunden des Selbststudiums: Lesen, Verstehen, Reflektieren. Zertifiziert werde ich nach den Standards der European Association for Supervision and Coaching (EASC), einem europäischen Berufsverband, der sich die Qualitätssicherung bei Coaching und Supervision zum Ziel gesetzt hat.

Wenn du neugierig geworden bist, ob Coaching für dich das Richtige ist, freue ich mich auf ein erstes Gespräch.

www.marcusgross.de